Mit dem Tode von Pfr. Ernst Moritz Reichel im Oktober 1863 enden seine Aufzeichnungen. Wir steigen daher neu im Jahr 1833 (Lützschena vor 180 Jahren) in die Abschrift der Chronik ein:

2. Decbr. Dem unvergleichlich schönen October (man stellte ihn dem von 1806 gleich) folgte ein sehr rauher November, in welchem Sturm u. Regen u. Frost fast immer miteinander abwechselten.
Fast wäre über die dießjährige Kirchweihfeier Streit in den Gemeinden entstanden, als Hänichen gegen das früher gegebene Versprechen, seine Kirmes wegen einfallenden Todtenfestes um 8 Tage zurückzuverlegen, beim alten Gebrauche verharren wollte. Gerade zu rechter Zeit erschien die Allerh. Verordnung weg. Verlegg. des Todtenf. auf den 2n. Adventssonntag. (S. d. Abkündiggsbüchlein!)
Eine Sammlung für die arme evange. reform. Gemeinde zu Buckarest brachte doch, trotz manchen anderen Ansprüchen an die christ. Mildthätigkeit, vier Thaler ein.
Nachdem ich auch gestern zu spät in Wahren zur Beichte pp. eintraf, weil ich erst in Hänichen gepredigt, beschloß ich auf vielseitiges Bitten, künftig bei dieser Gelegenheit bei mir lesen zu lassen.
8. Decbr. Dom. II. Adv : Todtenfest in Lützschena gefeiert. D. Altar war mit Garnituren verziert von Trauerflor. Nach der Beichte (57 Communic .) wurde die Kerzen angezündet, ein kurzer Gesangangestimmt (Merseb. G. no. 716, 6-8) collectirt, Pslm 90 verlesen, ein Wechselgesang gesungen (s. Beil.), dem die Predigt über d. vorgeschr. Text: Offenbg. Joh. 21, 4 folgte. Thema: Christentrost beim Andenken an die Todten: sie weinen, sterben u. schauen das Vergängliche nicht mehr! Nach dem Vormittagsgottesdienst war noch Hauscommunion. Um 1 U. wurde eine Wöchnerin von 29 Jahren 10 Mon. in Lützsch. begraben u. darauf die Abdankung in der Kirche gehalten, wozu sich eine sehr zahlreiche Versammlung einfand. So ward dieser trauerfestliche Tag durch Gottes Fügung durch die zeitgemäßeste Prozession gefeiert.
18./28 December. Nachdem des Jahres letzter Monat überhaupt mit heftigen Stürmen eingetreten war, erhob sich am Abend des genannten Tags ein verheerender Orkan, welcher von 5 bis 7 U. stoßweise tobte, und allenthalben viel Ziegel, besonders Forsten herunterwarf, Bäume brach u. entwurzelte u. anderen Schaden anrichtete. Die öffent. Blätter haben gleichfalls von vielen Orten im In- u. Auslande beträchtliche Windbrüche gemeldet, besonders in den Wäldern des Erzgebirges, auf dem Harz pp.
Die Weihnachtswitterung war trübe u. mild, ohne Schnee; den 2n. Feiertag fror es unerwartet, doch nur auf 1 Tag. Die Elster war so angeschwollen, daß man kaum bei der Quasnitzer Brücke vorbeipassieren konnte; auch ging Hundewasser u. Luppe vereint eine weite Strecke entlang über den neugebesserten Gundorfer Damm.
31. December. Ein regnichter Abend endigte das trübe, nasse Jahr, dessen letzte beiden Monate besonders düster waren. Im Pfarrhause bewirkte der Jahresabschluß eine bedeutende Veränderung. Des Pfarrers Schwägerin, die Wittwe Neitzsch, die seit anderthalb Jahren seit ihres Mannes Tode mit 4 Kindern hier gewohnt (in der Gartenstube), begibt sich nach Quasnitz, des dortigen Gutsbesitzers H. Dürr wirtschaftliche Geschäftsverwaltung zu übernehmen; die beiden älteren Kinder folgen ihr dahin.
Das alte Jahr entfleucht mit schnellen Schritten, nach wenigen Stunden ist`s vorüber; es bracht’ uns Freud und Kummer viel, und führt uns näher an das Ziel; theure Lieben hat es mitgenommen, doch, wo kein Jahreswechsel mehr stattfindet, da finden wir uns wieder und singen Wonnelieder vor dem, deß Name gelobt sei in Ewigkeit!
EMR.